Das Schnittmusterdilemma oder warum man seine Maße besser wissen sollte, wenn man näht

Neulich wurde ich gefragt, es ging um diese Hose, die ich mir genäht hatte, wie groß ich denn sei. Eine logische Frage. Die Hose könnte schließlich bei einer kleinen Frau deutlich weniger cool aussehen. Weit wie sie ist, kann sie einen optisch nochmal ein Stück verkürzen. Das könnte – oh welch Wortspiel – in die Hose gehen!

Deswegen heute zu diesem Thema

Das Schnittmusterdilemma, das irgendwie alle haben

Nun, ihr habt vielleicht ein Lieblingsgeschäft, in dem ihr einkauft. Dort steht euch nicht nur der Stil der angebotenen Kleidung, auch die Schnitte passen euch.

Jedes Modehaus hat seine eigene modische Richtung und es hat auch .. seine eigene Figur. Jeder Modehersteller näht für seine Idealkundin. Die H&M Kundin hat einen anderen Körperbau, als die von Zara. Und Hugo Boss schneidert für andere Frauen als Gucci.

Und wenn frau mal ein paar Jahre und ein paar Gehälter investiert hat, dann weiß sie auch, wo sie denn am besten einkaufen geht. (ist das lustig oder traurig?)

Ich für meinen Teil, habe so meine liebe Not mit sehr vielen Marken. Die, die mir auf Anhieb passen, sind die, die viel Geld kosten. Ich gehe, wenn es passen soll, mittlerweile zu den Marken mit Laufstegshows. Das klingt fashionable, ist aber teuer.

Wohl mit ein Grund warum ich nähen möchte für mich. Danke!

Der Unterschied zwischen Shoppen von Kleidung und Nähen derselben ist, die Figur der Designerin spielt im zweiten Fall eine Rolle

Beim Nähen habe ich bisher noch keine Designerin gefunden, die für mich entwirft. Für meine Figur. Immerzu muss man etwas ändern. Jede Frau, die näht, kennt das…

Im Gegensatz zum Einkaufen in der Lieblingsboutique, kostet das Anprobieren beim Selbernähen aber etwas. Nämlich Stoff und Zeit! (und damit in unserer Welt: Geld)

Für mich ist das der Aspekt, der mich am Nähen wirklich nervt.

Ich habe kein großes Stofflager, ich kaufe Stoffe bei Bedarf. Ich halte das auch grundsätzlich für den umweltfreundlicheren Zugang zu diesem Thema (jaja, ihr könnt euch ruhig gestupst fühlen. Ihr wisst es eh!). Ich habe demnach keinen Stoff zu Hause, der für ein „Probeshirt“ herhalten kann. Das wäre auch in vielerlei Hinsicht sinnlos. Da ja der Stoff in der Gleichung „Shirt passt“ eine Variable darstellt, muss das echte Shirt, nach dem Probedurchgang eben gar nicht passen, wenn es nicht derselbe Stoff ist. Was das Probestoffshirt per se ja ad absurdum führt. Und die Sache teurer macht.

Merke

Wenn man also bei einer Bloggerin oder einer Schnittmusterdesignerin ein Shirt sieht, das auf dem Foto einfach super aussieht, sollte man bedenken, dass die Frau, die das trägt, nicht die Schaufensterpuppe in bewusster Lieblingsboutique ist. Sie ist auch nicht, wie in der burda, irgendwie genormt an Grundmaßen, die irgendwann mal erhoben wurden.

Vielmehr handelt es sich um ein Shirt, das sich eine Frau auf ihren Leib geschneidert hat.

Kein Wunder, dass es passt.

Ihr.

Wenn du also dasselbe Shirt haben willst und du nicht zufällig dieselben Maße wie die Gute hast, dieselben Schultern, diesselbe Hüfte, dann wünsche ich dir viel Spaß beim Fluchen. Es wird nämlich ziemlich sicher nicht passen.

Hierin liegen ganz viele Probleme, wenn es ums Nähen geht. Vor allem die in der Community häufig fehlgeleitete Illusion, dass man sich einfach so ein perfekt sitzendes Shirt nähen kann.

Kann man nicht.

Man muss das Schnittmuster mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anpassen. Und für Anfänger ist das eine Herausforderung. Und es wird stetig verschwiegen.

In dieser Hinsicht täte der Nähcommunity etwas Realität gut.

Wir sind nicht gleich gebaut. Wir sind allesamt ein wilder Haufen an Unikaten. Jede Einzelne von uns. Nähen bedeutet ja, dass man sich das maßgeschneiderte Shirt selber auf die Figur schneidern kann. Nähen bedeutet ja, NICHT VON DER STANGE. Deswegen sollte das auch genauso kommuniziert werden. Alle Änderungen inklusive. Jedes mal.

Allmählich fasst diese Wahrheit Fuss und immer häufiger sieht man, dass Damen, die sich was genäht haben, ihre Maße angeben und sämtliche Änderungen erwähnen, damit diejenige, die sich überlegt dasselbe Stück zu nähen, abschätzen kann, ob sie überhaupt eine Chance hat zu einem ähnlichen Ergebnis zu kommen.

Aus diesem Grund hier und heute meine Maße für euch.

Und sollte es die eine oder andere geben, die wirklich in meiner Figuren-Suppe mitschwimmt, bin ich für gute Boutiquen-Tipps bzw. möglichst änderungsbefreite Schnittmuster immer dankbar! 🙂

Die Idee dazu habe ich im Netz mehrfach gefunden. Zur Zeit läuft auf Instagram die Maßgeberin-Action, die von Moritzwerk ins Leben gerufen wurde.

Ich werde mich jetzt wohl auf die Suche nach Körperschwestern machen. Womöglich hat ja jemand mein Shirtproblem schon gelöst! 🙂