Als Frau mittleren Alters – bitteschön das schreibt sich eigenartig – als Frau, die schon ein Weilchen lebt und die halt dieses Weilchen ERlebt hat, kann ich sagen, dass das alles im Moment doch ein bissi viel ist.
Hört ihr es? Das Rattern der Zahnräder im Uhrwerk der Welt. Wie die Treppen im Stiegenhaus von Harry Potters Schule bewegen sich die Zahnräder an andere Orte. Wir wissen noch nicht wohin sie sich bewegen. Wir kennen die Uhr, die am Ende rauskommt, noch nicht. Es passiert jetzt gerade. Wir sind mittendrin. Man kann es Knarzen hören. Man kann die Erschütterung spüren.
Die Weltordnung verändert sich gerade. Im Moment ist Oben unten und Unten die 2. Reihe, rechts ist vorne und links steht Kopf. Nichts macht Sinn. Und du bringst gerade den Mist raus.
Es ist ein absurdes, surreales Bild. Man müsste es länger anschauen um es zu erfassen. Aber das bringt nichts. Weil sich das Bild eben gerade bewegt. Kaum hat man einen Hammer verdaut, kommt der nächste Sch* um die Ecke.
So fühlt sich für mich an, was gerade in den USA passiert (und dem Iran, der Ukraine und in Gaza) Die Wellen die all das schlägt. Bis in jedes Wohnzimmer hinein. Meist hat man sich ja nie so Gedanken gemacht über wie das Uhrwerk in dem wir unsere 70 Jahre plus verleben dürfen insgesamt so tickt. Ist ja auch kompliziert.
Finanzmark hier, Wirtschaft da, Gesundheitsversorgung, Forschung. Fortschritt sowieso. Bequemlichkeit, Verantwortung. Auf nichts scheint man Einfluss zu haben und doch wird alles gesteuert von unserem ganz eigenen Verhalten. Oder glaubst du Fast Fashion wäre ein Erfolgskonzept, wenn niemand das Zeug kaufen würde?
Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt.
Und dann doch nicht. Es ist schon auch Gutes in uns. Im Film K-Pax antwortet der Außerirdische, der „zu Besuch“ ist, auf die Frage wie man denn richtig von falsch unterscheiden könne, wenn es keine Gesetze gibt:
Every being in the universe knows right from wrong!
Wir wissen alle, wo die Grenze ist. Wir wissen alle was richtig und was falsch ist. Auch die Typen, die Alex Pretti erschossen haben, wissen, dass es falsch ist einen Menschen einfach so zu erschießen. Leider sind Menschen wirklich gut beeinflussbar. Und falsch beeinflußt sind sie bereit die schlimmsten Dinge zu tun. Dinge, von denen sie wissen, dass sie falsch sind.
Die Geschichte ist voller Beispiele dafür. Um genau zu sein, ist in Europa gerade mal eben ein paar Jahrzehnte Ruhe. Davor haben wir uns über Jahrtausende lang gegenseitig gemetzelt. Immer und immer wieder das Falsche getan.
Idiotie gehört ins Spektrum der Menschheit. Leider.
Und die Sozialen Netzwerke sind Beeinflussungsmaschinen. Mathematische Berechnungen um Menschen zu lenken. Ursprünglich um uns bei der Stange zu halten damit wir so viele Werbungen wie gerade noch erträglich, anschauen, füttern die Algorithmen uns mit Dingen, die uns gerade stark genug aufregen, damit wir nicht abdrehen.
Die Natur hat es so vorgesehen, damit wir aufmerksam sind, wenn es aufregend wird. Weil Überleben und so. Instikte.
Damit wir dranbleiben, müssen wir in eine Art Überlebenmodus geschoben werden und das geht gut mit Info, die uns selbst bestätigt. Die, die eigene Weltsicht bestätigen.
Bei mir ist das Menopause-Shit. Zeug, dass mir zeigt, dass ich nicht alleine bin.
Bei einem Mann meines Alters wäre es wohl Futter um die eigene Größe und Stärke zu pushen. Meine Überlegenheit als weißer Mann gegenüber .. naja am Ende allen anderen.
Wäre ich religiös, dann würde man mir zeigen, wie gut meine Religion ist und welche Bestien die anderen sind.
Wäre ich reich, würde ich sehen, wie man mir mittels Steuern meine schwer ererbten Reichtümer wegnehmen will.
Jeder hat einen wunden Punkt. Wir alle wollen hören, wie gut wir doch sind. Weil wir es halt meist selber nicht sicher wissen. Die Anzahl an gesund selbstbewußten Personen in meinem Leben, kann ich an einer Hand abzählen.
Aber zurück zur Sache.
Diese Art von tiefsitzender innerer Unsicherheit kann man gut ausnutzen – KONNTE MAN SCHON IMMER GUT AUSNUTZEN – um die Menschen dazu zu bringen, den eigenartigsten Scheiß zu machen. Und es schaut so aus, als wäre dieser Damm in den USA gebrochen.
Es geht nicht nur darum, dass hier eine Staatsgewalt ihre eigenen Bürger:innen umbringt. Es geht darum, dass dieselbe Staatsgewalt kurz zuvor gewaltbereite und gewalttätige Bürger:innen begnadigt hat und wieder auf den Rest losgelassen hat. Sprich: Sie selektierten wer getötet wird und wer töten darf. Die Behörden, die offiziell illegal eingewanderte Straftäter aus dem Land bringen sollen, terrorisieren ausnahmslos demokratisch regierte Bundesstaaten bzw. demokratisch regierte Städte.
Das ist der Damm, der gebrochen ist. Hinter der Maske von „wir hauen all die Mörder und Vergewaltiger aus dem Land“ steckt die „der politische Gegner ist einen Dreck wert“ – Botschaft.
Gleichzeitig greift der Präsident der USA wie ein aufgeblasener, unerzogener Bengel in das aufgebaute Legoschloss, dass unsere Weltordnung ist und reißt alles raus, was ihm nicht gefällt. Dabei pöbelt er rum, tobt und beschimpft alles, was sich bei drei noch nicht die Ohren zuhält (oder den Raum verläßt – Thank you Christine Lagarde*). Er, er, er! Er will Dank, er will Aufmerksamkeit, Geld … Liebe? Auch der Donald ist mit seinem Bedürfnissen nach Aufmerksamkeit lenkbar. Es tut weh, zuzuschauen, wie sie alle vor ihm buckeln. Vor so einer Ausgeburt an Unreife.
Naja. Allmählich wachen sie ja auf. Ob es zu spät ist, ist irrelevant. Es ist jetzt. „Zu spät“ wird erst in der Zukunft definiert werden. Nicht heute. Heute kann man es noch nicht sehen.
Weil sich ja alles noch bewegt. Eh klar. Eigentlich.
Denn per se ist dieses Bewegen, diese Giganto-Veränderung ja faszinant. Wenn es nicht so beunruhigend wäre. Wenn es einen nicht so stressen würde.
Womit ich bei meinem kleinen Beitrag zur Lage bin:
Ziel einer jeden einigermaßen vernunftbegabten Person muss es sein, die Gabe zu behalten richtig von falsch unterscheiden zu können, diese Gabe nicht zu verlieren. Und um das zu bewerkstelligen muss man/frau informiert bleiben. Und das ist zur Zeit schmerzhaft und Streß auslösend.
So eine Info-Session in der Zeitung oder auf einem anderen Info-Kanal, kann das Streß Hormon Cortisol rauftreiben. Und zwar gewaltig.
Und Höllapropölla, wenn man nicht dafür sorgt, dass das Zeug wieder runterkommt, dann … kann einem das richtig schaden. Körperlich und psychisch.
Also:
Wenn du einen Scheiß gesehen, gelesen hast, den du vermutlich sehen oder lesen solltest, dann erkenne die Wirkung, die das auf dich hat. Es wird dich erschüttern, dich mitnehmen, zerreißen, ärgern.
diese GEFÜHLE solltest du ernst nehmen und sie rauslassen. Wenn du das schluckst, dann bleiben deine Streßhormone auf hohem Niveau, was einfach ungesund ist und niemandem hilft. (naja, den rechten Parteien hilft’s vermutlich, aber das ist ein anderes Thema)
Also:
- heulen
- schreien (in einen Polster, wenn du nicht allein im Wald wohnst)
- wild tanzen
- telefonbücher zerreißen (oder so ähnlich)
- rauslassen
gib deinem Körper die Chance den ganzen Mist loszuwerden.
Danach solltest du dich besser fühlen. Etwas schwerer vielleicht, weil das Wissen von dem, was du gesehen, gelesen hast, auf dir liegt, aber du solltest wieder etwas klarer sehen können.
Wir sind alle groß und erwachsen. Wir leben alle in einem Land (D, A, CH), in dem wir vergleichsweise sicher sind.
Man kann von uns verlangen, dass wir aufmerksam zuschauen, dass wir dran bleiben und dass wir erkennen, was richtig und was falsch ist.
Um Bob den Baumeister zu zitieren: Ja, wir schaffen das!

*Christine Lagarde hat in Davos ein Abendessen verlassen, nachdem der amerikanische Vertreter (Howard Lutnick) dort ein paar verbale Rülpser zu Europa rauslassen hat. Ich merke an, dass ich nicht weiß, was er genau gesagt hat, aber, wenn die Lagarde geht, dann hat das einen Grund! Das weiß ich.

