Da war ich also Fotospazieren in der Stadt. Das ist insofern erwähnenswert, als ich nach unserem Paris-Stadt-Megaviel-Gehen-Urlaub wirklich nicht viel spazieren wollte. Nicht mal daheim. Nicht mal in Wien. Sofa. Fix.

Und dann war ich doch unterwegs. Und ich dachte mir: Wenn du schon in der Stadt bist, dann schau‘ doch mal was der 12tel Blick hergibt. Ich gehe also hin und WUMM! Alles voller Leute.

Es gibt ja in verschiedenen Sprachen Worte für Zustände, die wir alle kennen: Ich persönlich brauche ein Wort für das Gefühl, das man hat, wenn man eine, häufig kleine, Verletzung hat und plötzlich bei jeder alltäglichen Bewegung genau den Körperteil benötigt, der eben dieses kleine Aua hat. Und jedesmal spürt man es dann. Warum gibt’s da kein Wort dafür?

Kennt ihr das? Der Herbst ist da und es hat das erste mal 5°C draußen und ihr zieht euch an, als würdet ihr eine Freundin am Südpol besuchen? Dick, dicker, Daunen! Das volle Programm! Wenn ihr euch nicht genug bewegt, fangt ihr an zu zittern. Ich für meinen Teil hab‘ mich dann über meine Jammerlappen-Mentalität geärgert und mich gleichzeitig gefragt, wie ich denn dann bitte den richtig kalten Winter durchstehen soll.

Der Herbst klopft an die Tür. Die Sonne steht tiefer, der Wind ist kühl. Ich muß mir schon deutlich mehr anziehen. Ach ja .. und die Schule ist wieder da!

Und damit auch der Elternabend. Ich leide an einer ausgeprägten Elternabend-Phobie. Das war nicht immer so. Ganz am Anfang, war ich auf die Info, die einem bei so einer Veranstaltung mitgeteilt wird, tatsächlich angewiesen. Aber ziemlich schnell trat der Mehrwert dann langsam, na sagen wir mal, in den Hintergrund.

In den letzten Tagen wurde in Wiener Medien immer wieder erwähnt, dass der Neue Markt in der Wiener Innenstadt nun also „fertig“ sei und da dachte ich mir: „Schaust halt mal vorbei!“ Die Erwartungen waren meinerseits doch beträchtlich, sodaß die Enttäuschung am Ende wohl nicht so überraschend hätte sein sollen. Ach, das mit dem Lernen aus dem Leben funktioniert leider noch immer nicht ganz so gut, wie erhofft.

Mein Mann und ich wir sind Gegensätze. Ich bin schwarz, er weiß. Ich bin schrill, er ist still. Ich mag die orangene Hälfte vom Twinni, er die grüne. Ich esse das Brüsterl, er das Haxerl. Ich spreche, er hört nicht zu. Wenn er was sagt, verstehe ich was anderes.
Kurz: Wir sind ein DreamTeam.

Es ist anstrengend in einem DreamTeam, aber es lohnt sich. Ich lerne Dinge, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Und wie es scheint geht es ihm genauso. Ich wüsste schlicht überhaupt nichts über „Clash of Clans“ oder über diese eine, vermalledeite Briefmarke, mit der ich meinen Haushalt tausendfach teilen muss.

So schnell kann man gar nicht schauen und da sitzt der Sohn im Auto, dasselbe bis oben voll mit Kisten, eine Pflanze am Schoß und sagt sowas wie „ein Abenteuer beginnt!“
Na, mehr braucht man als Mutter ja wirklich nicht. Der Wirbelwind der tränenschwangeren Gefühle verbirgt sich gekonnt – so hofft sie – hinter einem leicht verwirrten Gesichtsausdruck. Schließlich will man dem Kind ja nicht die Verantwortung für das Glück der Mutter auf die Schultern legen.