Heute und hier wieder mal ein Post, der diejenigen unter euch wachrütteln soll, denen es – na sagen wir mal – „bescheiden“ geht und die das mit einem „ist halt so!“ – Schulterzucken hinnehmen und sich dabei innerlich verlassen fühlen.
Nun, grundsätzlich sind Frauen mit Vielem, was ihr Leben so angeht, alleingelassen. Simmasichehrlich. WorldbestFrauenUnterstützer gibt es keinen. Das Einzige, das mir einfällt, wo sich die Welt (in der ich lebe) verbiegt um einer Frau zu helfen, ist, wenn sie Kinder kriegen will.
Dann steht die Wissenschaft und auch die gesellschaftliche Unterstützung breitbeinig im Raum und tut so, als wäre die Frau dahinter ernst zu nehmen.
Sobald das Kind dann da ist, ist die Unterstützung aber auch eher dünn gesät, so man nicht gerade in einem solide sozialdemokratisch regierten Feld lebt (ja, ich rede von Wien).
Meine Beobachtungen lehren mich zu erkennen, dass, wenn ich nicht mein Pharmaziestudium im Nacken sitzen hätte, ich völlig neben den Dingen stehen würde, die mir jetzt so das Alltagsleben – na bleiben wir freundlich – erschweren.
Viele Frauen um mich herum leiden unter einer Vielfalt von geradezu irrwitzig willkürlichen Symptomen und glauben, dass das alles ganz normal ist und dass man das als Frau halt hinnehmen muss.

Nun, ich vertrete den Standpunkt, dass in einer Welt, in der es KaugummiViagra gibt, weil manche Männer sich mit dem Schlucken von Tabletten schwertun, auch einer Frau, die jahrelang nicht mehr gut schläft, die Gelenksschmerzen hat, die mitten in der Nach heftigste Schweißausbrüche hat, die in Phasen meint bereits in den 40ern an Demenz erkrankt zu sein etc. etc. – ich bin der Meinung, dass so einer Frau genauso geholfen werden muss, wie dem Mann, dem die psychische Belastung einer fehlenden sexuellen Befriedigung nicht zuzumuten ist.
Also hier jetzt mal für euch die häufigsten Symptome, die im Wechsel in den wirrsten Kombination über lange, aber auch über kurze Zeit auftreten können.
Hitzewallungen & Temperaturregulation
- Hitzewallungen – plötzliche Hitzewellen in Gesicht, Hals und Brust
- Nachtschweiß – Hitzewallungen im Schlaf
- Kälteschauer – plötzliches Frösteln, oft nach einer Hitzewallung
- Erröten/Flush – sichtbare Hautrötung, mit oder ohne Hitzegefühl
Zyklusveränderungen
- Unregelmäßige Periode – kürzere, längere oder ausbleibende Zyklen
- Verstärkte Blutungen – stärker oder mit Blutgerinnseln
Schlaf & Energie
- Schlaflosigkeit – Ein- und Durchschlafprobleme
- Erschöpfung/Müdigkeit – anhaltend, auch nach Ruhe
- Schlafapnoe – erhöhtes Risiko in der Perimenopause
Stimmung & Kognition
- Stimmungsschwankungen
- Angstzustände – auch ohne erkennbaren Auslöser
- Depressive Verstimmung
- Reizbarkeit – eines der am häufigsten genannten Symptome
- Brain Fog – gedankliche „Nebligkeit“
- Gedächtnisprobleme – Namen, Termine, Wörter vergessen
- Konzentrationsschwierigkeiten
Körperliche Veränderungen
- Gewichtszunahme – v. a. am Bauch
- Blähungen
- Gelenkschmerzen
- Muskelverspannungen – v. a. Nacken/Schultern
- Kopfschmerzen/Migräne
- Brustspannen
- Herzrasen/Herzklopfen
- Schwindel
- Trockene Haut
- Haarveränderungen – Haarausfall am Kopf, mehr Gesichtsbehaarung
Urogenital
- Vaginale Trockenheit
- Vermindertes sexuelles Verlangen (Libidoverlust)
- Schmerzen beim Sex
- Blasenprobleme – häufiger Harndrang, wiederkehrende Blaseninfekte
Bonus – weitere Symptome, die vorkommen können
- Veränderter Geruchssinn
- Hautunreinheiten/Akne
- Sehveränderungen, trockene Augen
- Körpergeruchsveränderungen
- Restless-Legs-artige Empfindungen
Schaut man in Studien, in denen Symptome weltweit erhoben werden, dann variiert das enorm. Am Ende ist es bei jeder Frau ihr eigen Ding. Was mir aber wichtig ist und worauf ich heute besonder Wert lege ist; dass es nicht zu akzeptieren ist, wenn frau derlei körperlicher und psychischer Belastung ausgesetzt ist und – wichtig – dabei völlig sich selber überlassen wird.
Es ist nicht okay, zu leiden und dann so tun zu müssen, als wäre das eh ganz normal!

Die Grausamkeit mit der oftmals verlangt wird, darüber zu schmunzeln, die Verachtung, die es dem weiblichen Körper gegenüber bedeutet, die sollte keine Frau hinnehmen.
Ich bitte euch daher, schaut auf euch!
Gebt euch die Zeit zu erkennen, dass ihr Hilfe braucht. Beobachtet euren Körper und geht liebevoll mit euch um! Viel zu viele Frauen senden an sich selber verachtende Signale, weil sie es schlicht nicht anders kennen. Verzeiht euch, wenn ihr mit euch so umgegangen seid und nehmt euch an. Nehmt euch an in dem verwirrten Haufen, den die Eine oder Andere gerade darstellt.
Und dann, dann informiert ihr euch! Ihr lest, ihr schaut Youtube Videos, Reels auf Instagram, woauchimmer! Ihr müsst euch informieren. Denn die Welt um viele Frauen herum, die lebt viel zu gut in dem System „Ignorieren“. Wenn es bei dir niemanden gibt, der das Thema aufbringt, dann wird dir da auch niemand helfen.
DU MUSST ES SELBER TUN!
Und ja, ich weiß das ist in vielen Regionen in Österreich und Deutschland alles andere als einfach! Aber wenn ihr es nicht versucht, wird eben gar nichts passieren und das ist das worst case scenario. Ihr verdient Unterstützung! Und in vielen Fällen bedeutet das eben, dass IHR SELBER die erste Unterstützerin sein müsst.
Und eines noch: nur weil du schon jahrelang keine Regel mehr hattest, heißt das noch lange nicht, dass du nicht auch die oben erwähnten Symptome aufweisen kannst. Die meisten davon sind Entzugs-Symptome und das bedeutet natürlich auch, dass du die haben kannst, wenn die ganze Sache mehr oder weniger vorüber ist. Jede Frau ist da anders.
Just sayin‘.
So. Und jetzt lass ich euch auch schon wieder in Ruhe!
Dickes Bussi

Hier noch ein paar Infoquellen:
Podcasts
Hormongesteuert – der Wechseljahre Podcast (da gibt es reichlich Folgen und ihr könnt euch am Titel der Folge das Thema herauspicken, das ihr gerade braucht!)
Unpaused – in englisch, aber gut, wer mit der Sprache kein Problem hat.
Bücher:
Die neue Menopause: Wie wir alle Phasen der Wechseljahre leichter annehmen und richtig behandeln | Die optimale Selbstversorgung vor, während und nach den Wechseljahren (fand ich sehr gut und informativ)
Woman on Fire – das mögen wirklich viele Frauen. Mir war es zu ungenau, aber wenn so viele drauf stehen, ist womöglich was dran. Deswegen hier die Empfehlung. Ist auf Deutsch.
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