Die Symptomliste zum Wechsel ist grausam lang. Und ich kann gar nicht ausdrücken wie wütend ich bin, dass frau damit kaum wo ernst genommen wird/wurde, dass die Wissenschaft (männlich dominiert) sich in den letzten 20 Jahren praktisch null darum gekümmert hat und dass am Ende des Tages praktisch alle Frauen völlig alleingelassen werden damit.
Um es schmerzhaft überspitzt auszudrücken möchte ich kurz Amy Shumer zitieren, die Endometriose hat, nur per IVF schwanger werden konnte und dann eine extreme Form von Schwangerschaftsübelkeit abgekriegt hat: Sie sagt in ihrem Programm (frei übersetzt in etwa): .. Ich war so erleichtert, als wir endlich eine Diagnose hatten. Ich war im 6. Monat und sagte: „Okay! Jetzt wo wir wissen, was es ist, was können wir dagegen tun? Und dann haben sie mir erklärt, dass sie es noch nicht erforschen konnten, weil es nur Frauen betrifft. Aber, falls ihr Mann interessiert ist, wir haben Viagra als Kauzuckerl. Weil manchmal ist das Einnehmen einer Pille doch etwas schwierig.“
Soweit so Kotzbrocken.
Ich komme daher zu dem Schluß, dass wir uns wohl noch ein Weilchen untereinander helfen müssen. Austausch ist sowieso eine der Stärken von Frauen. Also bitte; deswegen heute und hier meine Erfahrungen zum Thema Schlaf im Wechsel.
Schlaf – meine (wechselhafte) Geschichte
Ich habe Jahre gebraucht um zu erkennen, dass ich eigentlich schon lange nicht mehr gut schlafe. Ich hatte allerlei „Ausreden“. Da war zunächst mal das Schnarchen meines Mannes. Das weckte mich in der Nacht. Nicht einmal. Nicht zweimal. Gefühlt eher so zwölf mal.

Eine weitere Qual in der Nacht war die Hitze im Sommer. Wenn es untertags sauheiß ist, wird es in der Nacht in der Stadt nicht wirklich kühler. Da schlaft man nicht so gut. In Kombination mit dem Schnarchen hat mich das im Sommer regelmäßig über Wochen Kraft gekostet.
Diese Schlafunterbrechungen gingen mit Sicherheit mindestens drei Jahre lang so. Ich war der Meinung, dass ich an sich ja eh gut schlafen würde, wenn da nicht all die anderen Dinge wären, die mir den Schlaf halt versauen.
Und dann nahm vor etwas mehr als zwei Jahren die Berichterstattung rund um die Menopause Fahrt auf.
Plötzlich wurden Dinge erwähnt, die mir bekannt vorkamen.
So hatte ich bemerkt, dass ich an manchen Tagen unfassbar nah am Wasser war. Ich erwischte mich dabei im Zug sitzend gegen Tränen anzukämpfen, obwohl es weit und breit keinen Grund für Traurigkeit gab.
Einfach so. Ich musste mich echt anstrengen nicht loszuheulen. Mehrfach.
Jetzt sag ich mal, dass ich als Frau in meinem Leben Gefühlsschwankungen ja durchaus kenne. Ich „reguliere“ ja seit Jahrzehnten. Ich war schwanger. Ich weiß, was so los sein kann. Und ich erkenne es auch.
Aber das hier, war von ganz neuer Qualität.
Ich habe nicht lange gebraucht diese emotionalen Katastrophenmomente meiner Perimenopause zuzuordnen und erst als ich diesen Gedankenschritt getan hatte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: vermutlich schlafe ich tatsächlich schlecht. Oder eben nicht mehr so tief. Deswegen höre ich meinen Mann auch so leicht und ständig und deswegen setzt mir die Hitze auch noch extra zu.
Schlicht weil meine Schlafqualität nicht mehr auf dem Level läuft, die ich eigentlich gewohnt war.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich mir eine neue Frauenärztin gesucht. Eine, die den Zuständen im Wechsel Aufmerksamkeit schenkt und die auch weiß, was alles möglich ist. Und die hat mir dann wegen der Gefühle Myo-Inositol gegeben. Schon in jener Phase, als wir dann den Hormonspiegel machen ließen. Ich habe darüber bereits geschrieben und ich kann sagen, dass mich dieses Zuckerderivat echt damals emotional stabilisiert hat.
Mittlerweile bin ich auf Östradiol. Jetzt brauche ich es nur mehr selten.
Für den Schlaf empfahl sie mir eine Kräuterölkapsel. Diese enthält neben Hopfenblütenextrakt, Baldrianwurzelextrakt und Cannabisöl auch Melatonin. Das Melatonin hilft beim Einschlafen, der Rest entspannt, damit man durchschläft. So die Kurzfassung.
Habe ich zwei so Kapseln genommen, habe ich um ein gutes Stück besser geschlafen. (Anmerkung: die Dosis, die einen einschlafen lässt ist 1mg. Man muß 1mg Melatonin nehmen, davor passiert nix.)
Noch ein Qualitäts-Schlaf-Level draufgelegt haben dann die Magnesium-Kapseln, die ich nehme um mein Training körperlich gut zu verkraften. Das relaxt die Muskeln.
Gute Güte mit Magnesium schlafe ich deutlich besser!
Weil ich von diesen Mischpräparaten wie es diese Hopfen-Baldrian-Cannabis Kapseln sind weg will, teste ich im Moment ein „reines“ Melatonin-Präparat. (wobei da ist noch VitB B6 drin), dafür handelt es sich um Kauzuckerln. Sehr angenehm.
Erfahrungswert nach einer Woche: Neee. Ist nicht besser oder auch nur äquivalent.
Progesteron
Für mich läuft es eben so, dass ich für eine „gute“ Nacht drei Kapseln und ein gel am Unterarm benötige. Dann komm ich ganz gut zur Erholung.
Die erste Wahl wäre allerdings für viele Frauen Progesteron. Oral eingenommen, wird dieses nach dem Aufnehmen ins Blut aus Darm und Magen gleich in der Leber abgebaut und ebendiese Abbauprodukte machen richtig gut müde.
Bei mir war das ein bissi zu viel. Ich war 24 Stunden lang total neben mir. Angeblich gewöhnt man sich da rein. Mir war der eine Tag definitiv zu heftig. Ich kann das Progesteron nicht zum Schlafen nehmen.
Aber: die meisten Frauen kommen damit ganz gut klar.

Kurz gesagt: Frau kann sich da durchprobieren. Und sollte sich auch durchprobieren, denn jede Frau ist anders. Ich persönlich merke sogar Unterschiede von Monat zu Monat.
