Wenn man, so wie ich in der Stadt lebt, lernt man schnell, dass zubetoniert und dicht besiedelt noch lange nicht heißt wildtierfrei! Und da rede ich nicht von Ratten oder so. Ich rede von Bussarden, Falken, Mardern, Füchsen und derlei. Ich rede nicht von einer Sichtung im Jahr, ich rede von monatelangen, lautstarken, nächtlichen Revierkämpen (oder so) mitten in der Stadt. Von Fledermäusen, Krähen, Tauben natürlich auch.
Will sagen, wenn du deine Augen aufmachst, dann sieht man schnell, dass auch eine Millionenstadt an Menschen vermutlich eben auch das Heim von Millionen von Tieren sind, die größer als eine Fliege sind.
Die heutige Geschichte erzähle ich euch einfach, weil es zeigt, dass auch eine große Stadt ein vielschichtiges Ökosystem ist und dass der Mensch, und auch die Kommunikation der Menschen untereinander, ein Teil eben dieses Ökosystems ist.
Im letzten Jahr wurde bei uns im Haus das Dach saniert. Genauer gesagt, die Dachterrassen. Alles, was da oben lebte, siedelte für die Dauer der Baustelle in den Innenhof des Hauses. Das Mobiliar und auch die Pflanzen tummelten sich im Erdgeschoss. Die meisten Dachgeschossbewohner nutzten die Gelegenheit da oben gleich im großen Stil neu zu gestalten. Da ist es dann nicht verwunderlich, dass eine Familie sich das neue Schön nicht gleich wieder von den Tauben zuscheißen lassen wollte. Und auch die Krähen dürften da oben immer wieder einiges anrichten – was ich so höre.
Also haben unsere Dachnachbarn kreativ und durchaus clever, wie ich meine, einen Drachen auf ihrem Dach montiert. Schließlich weht da oben immer eine gute Brise. Die Schnur war wohl nur so 2-3 Meter lang. Abgebildet war wohl ein Adler. Zeichentrickadler, sicher 1m Flügelspannweite.
Meine erste Reaktion: HÄ? Die Kinder sind doch schon lange ausm Haus?
Die Erkenntnis kam aber recht flott. Eh klar. Verstehe. Kenn mich aus.
Und dann?
Dann legten sich meine Mietzen nicht mehr in die herbstlich warme Sonne. Sie weilten nur mehr auf der sicheren Terrasse. Bemerkt habe ich das natürlich nicht sofort. Dass die Vögel komplett weg waren, habe ich auch erst wahrgenommen, als die Katzenerkenntnis sickerte. Keine Meisen, null Amseln, der Specht, alle weg.
Stille.
Oh!
Und dann hatten wir unser Haustreffen (dazu vielleicht demnächst mehr). Und da wurde klar, dass auch das Vogelhaus am Balkon der Nachbarin nicht mehr aufgesucht wurde.
Also texteten wir mit dieser gesammelten Wildtierinfo besagter Dachnachbarin. Freundlich und mehr so „Du! Vielleicht hast du das nicht bemerkt, aber folgendes ist anders, seit der Adler fliegt…“ Wir gingen davon aus, dass die da oben am Dach nicht so recht mitbekommen wie erfolgreich ihre Abwehr tatsächlich ist.
Und Recht hatten wir. Die Nachbarin war überrascht und beeindruckt und hat den Drachen sofort entfernt. Jetzt zwitschert es wieder. Vollumfänglich. Specht, Amseln, alle da! Katzen trauen sich auch wieder raus.
Es haben nur Frauen kommuniziert!
