Wiener Beobachtungen

Ich mag Menschen ja. Alle. Mit einer gesunden Distanz. Wienerisch halt. An mich ran lasse ich nicht jeden einfach so. Menschen beobachten allerdings gehört zu den leiwandsten Dingen wo gibt.

Seit ich ein Parklet neben meinem Sofa habe und auch noch reichlich daheim bin (nicht immer am Sofa bitteschön), nehme ich die Menschen wahr, die das Parklet wahrnehmen. Wohl angemerkt: Ich sitze nicht mit dem Notizbuch und warte auf mein nächstes Versuchstier.
Vielmehr ist es ein da-wandert-jemand-in-meinen-Wahrnehmungskreis-hinein-und-ich-hebe-kurz-den-Blick. Und dann sehe ich sie.

Wie sie vorbeigehen.
Wie sie schauen.
Manchmal stehenbleiben.
Nochmal schauen.
Manchmal verwundert.
Dann erkennend, ruhiger werdend.
Dann nocheinmal den Blick über das Parklet schweifen lassend
und dann
weitergehend.

Manche lesen die Schilder.
Manche berühren eine Pflanze oder
müssen eine etwas genauer anschauen.
Ich sehe sie dann von hinten. Ihre Gesichter sehe ich nur sehr selten.
Es ist die Körperhaltung, der Kopf, der sich neigt, der denkt. Man kann das sehen.

Love it!

Die Zahl der Neuankömmlinge am Parklet ist allerdings gesunken. Schlicht, weil das Parklet schon so lange da steht und in unserer kleinen Seitengasse nur eine überschaubare Anzahl an Menschen vorbeikommt. Die Meisten kennen es eben schon. Ihr Blick ist ein Kennerblick, sie suchen dann eher die Veränderung, die neue Blüte, die neue Pflanze. Sie genießen kurz im Vorübergehen.
Deutlich erkennbar.

Die größte Zahl an Neulingen kriegt das Parklet an einem Wahlsonntag ab. Da neben unserem Haus eine Schule steht, befindet sich in derselben bei Wahlen ein Wahllokal. Und da gehen dann an besagten Sonntagen ein paar Tausend Menschen hin.
Ein Teil von ihnen muss dafür quasi an unserem Parklet vorbei. Ein Weg, der sonst nicht zu ihren Standardrouten gehört.

Und dann sind es eben ganz viele Leute, die schauen, stehen bleiben, lesen, miteinander reden (der Wiener wählt in Gesellschaft), nicken und weitergehen. Auch sind sie besser angezogen, als es die Alltags-Vorbeigeher sind (Ja, der Wiener wählt tendenziell immer noch ein bissi schick).
So ein Wahlsonntag ist wunderbar für mich. Da wird mir nicht fad.
Ach!
Seufz!
Ich sag’s euch!
Wunderbar!

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