Die dritte Woche im ersten Fall: {Die Fälle des Donald}

Die letzte Woche waren reichlich Zeugen am Wort. Drehbuchtechnisch hat die Anklage, so scheint es, alles so angelegt, dass am Ende oder zumindest als Höhepunkt Michael Cohen aussagen wird. Da dieser aber eine – na sagen wir es mal freundlich – auffällige und umstrittene Persönlichkeit ist, muss die Anklage vorbauen. Mehr oder weniger alles, was der Michael erzählen wird, ist am Besten vorher schon mal von jemandem Anderen gesagt worden. Er ist nur derjenige, der tatsächlich mit dem Tramperl agiert hat. Er ist der, der den Sarg zunageln kann, wenn er im Kreuzverhör die Nerven behält.
Er ist die Verbindung zum Angeklagten in dieser Sache.
Und er ist ein verurteilter Lügner.
Drehbuch.

Also waren diese Woche alle da, die die Geschichte erhärten und bestätigen können, bevor sie eigentlich erzählt wird.

Da war der Bankangestellte, der die Abwicklung der Bezahlung erläuterte. Wobei es in dieser Überweisung für ihn nie ersichtlich wurde, was da tatsächlich gerade lief.
Im Anschluß begann die Anklage den Schwerpunkt darauf zu legen, dass diese ganze Stormy Daniels Geschichte tatsächlich keine Kleinigkeit war. Und, dass es primär nicht darum ging, die Angelegenheit von der Ehefrau fern zu halten. Es ging darum, die Wahl nicht schon im vorhinein zu verlieren.

Dazu wurden zunächst einmal Wahlredenausschnitte aus 2016 gezeigt, in denen das Tramperl wiederholt all die Frauen, die damals gegen ihn laut geworden waren, als Lügnerinnen bezeichnet. Er wüßte gar nicht wer das alles überhaupt ist und überhaupt, die wollen doch alle nur Aufmerksamkeit. Die Ecke, ihr kennt die Rhetorik.


Auch Ausschnitte aus Reden in denen er über E. Jean Carroll herzieht, bekam die Jury zu sehen. Die kannter er nämlich auch nicht. Und doch wurde er verurteilt, sie sexuell missbraucht zu haben und .. er muss ihr noch 85 Millionen Dollar zahlen, dafür, dass er sie als Lügnerin bezeichnet hat, auch nachdem ein Geschworenengericht ihn für schuldig erkannt hatte.
All das sollte beweisen, dass zum Ersten das Tramperl lügt wie gedruckt und zum Zweiten, dass es ein Thema war, bei dem er in Defensive gehen musste. Schon im Wahlkampf damals. Da war Druck. Die Wahlkampagne hatte damit zu kämpfen.
Und bitteschön, das war alles lang bevor das Access Hollywood-Tape rauskam.

Als dieses nämlich rauskam, da waren sich alle sicher: „Jetzt ist es vorbei!“ (O-Ton: „He’s f***ed!“) Dazu wurden SMS vorgelesen, die sich der Anwalt, der Karen McDougal und später dann auch Stormy Daniels vertreten hatte, mit dem Zeitungsherausgeber, der die Geschichten gekauft und abgewürgt hatte, geschrieben haben.

Und als Höhepunkt der letzten Woche, kam dann eine junge Frau zu Wort, die man getrost als ein KarriereZiehkind vom Tramperl bezeichnen kann.

Hope Hicks, hatte zunächst für Ivankas Modelabel gearbeitet und wurde dann 2015 zur Tramp’schen Wahlkampagne geholt. Sie war eine Vertraute von Anfang an. Dazu noch eine schöne Frau: ganz Tramperl Favorit. Selber medienscheu, beriet sie ihn in seinen Auftritten, soziale Netzwerke inklusive. Hope Hicks hat man damals viel gesehen. Gesprochen hat sie nie. Sie schien eher mysteriös. Sehr loyal. Ganz Tramperl-Seite.

Und diese Hope Hicks musste jetzt aussagen. Sie war vorgeladen worden. Knapp über 30 Jahre jung, saß sie sehr nervös im Zeugenstand und gab, da sind sich alle einig, eine fantastische Zeugin ab.
Sie hatte alles miterlebt und berichtete nun, wie das Access Hollywood Tape bombig im Wahlkampf-Team einschlug. Eine Katastrophe. Die Leute begannen sich teilweise Jobs zu suchen. Es war klar: das hat die Wahl gekostet. Es ist vorbei. „Leugnen, leugnen, leugnen!“ – Dann „Lockerroom-Talk“.
Für eine konservative Partei ist das „Grab-them-by-the-Pussy-Video“ ein pures Armageddon gewesen.

Deswegen saß Hope Hicks im Zeugenstand. Es galt klar zu machen, dass es unbedingt notwendig war, die Stormy Daniels Geschichte unter Verschluß zu halten. Ein Pornostar, der durch die Interviews tingelte NACH dem Pussy-Tape … nicht auszudenken.
Es geht der Anklage darum zu beweisen, dass das Tramperl das Schweigegeld wegen der Wahl bezahlt hat, nicht wegen der Ehefrau.


Im Kreuzverhör, als dann die Verteidigung das Wort an die Zeugin richten durfte, brach die Gute zunächst einmal zusammen und kurz in Tränen aus. Der Richter unterbrach die Verhandlung für ein paar Minuten, alle durften sich kurz die Beine vertreten, dann ging es auch gleich weiter. Die Medien haben sich deswegen in Schlagzeilen gegenseitig übertrumpft. (Gute Güte! Eine heulende Frau!) Dabei war das nur eine kurze Sache und wohl ein Zeichen, dass sich Hope Hicks das ganze Theater wirklich lieber erspart hätte.

Im Kreuzverhör, um darauf zurückzukommen, erhielt sie dann die Gelegenheit auch der Gegenseite, sprich: der Verteidigung, unter die Arme zu greifen, indem sie erzählte, dass sich das Tramperl schon gut in die Hosen gemacht hat .. vor seiner Frau. Und überhaupt, das Tramperl sei ein Medien-Genie. Es gäbe keinen Zweiten wie ihn … nun, da sind sich eh alle einig.
Als sie den Saal verließ, hat das Tramperl sie angeschaut … sie ihn aber nicht. Wenn es stimmt, hat sie ihn blicktechnisch die ganze Zeit gemieden.

Wer auch noch im Zeugenstand war, allerdings vor Hope Hicks, die habe ich jetzt wegen der Sinnhaftigkeit in der Reihenfolge vorgezogen, war eben jener Anwalt, der sowohl Karen McDougal als auch Stormy Daniels vertreten hatte. Da ging es um Feinheiten im Ablauf, die ich, falls sie noch wichtig werden, euch bei Bedarf nachlege. Was ihr euch aber schon mal merken könnt, ist, dass in seiner Aussage mehrfach klar wurde, was für ein gepflegtes A**** der Michael Cohen ist.

Tja .. die Chancen stehen gut, dass dieser Typ nächste Woche im Zeugenstand sitzen wird … oder vielleicht auch knapp noch nicht. Man wird sehen, wie die Anklage den nächsten Akt in ihrer Erzählung anlegt.

Hier noch mal der Post zu:
Woche 1 im Fall
Woche 2 im Fall