gelesen KW 41 – Trump und die Medien oder das Spiel mit der Aufmerksamkeit

 

Seit D.Trump im Amt ist, stehen die Vereinigten Staaten Kopf. So ist das, wenn man einem geltungssüchtigen Narzisten die Macht und Twitter in die Hand drückt. Keine Ruhe. Nie.

Dass die Lage in den USA so verrückt ist, wie sie nun mal ist, liegt zu einem Teil aber auch an den Medien. Neulich habe ich euch schon mal zu dem Thema Fernsehen in den USA beschrieben. Diesmal geht’s um einen anderen Aspekt.

Könnt ihr euch erinnern als damals dieser Pilot mit vollbesetztem Passagierflugzeug in Spanien – glaub ich war’s – in einen Berg geknallt ist? Und sich dann alle Fernsehsender live geschalten haben. Die Reporter standen unten am Berg und über Stunden hinweg konnten sie nichts Neues berichten, weil oben am Berg eben noch gesucht und gearbeitet wurde. Keine Neuigkeiten.

Ich erinnere mich gut. Die „armen“ Journalisten redeten sich den Mund fusselig ohne auch nur irgendetwas Wesentliches berichten zu können. Anstattdessen wurde man informiert über, wie was wo ein Flugzeug funktioniert. Oder wie so eine Crews generell geschult wird. Und wie oft. etc. etc. Jede Menge Staub und allerlei an sich entbehrliche Info. Und das über Stunden.
Und das nur, weil die Sender meinten, sie müssten live dabei sein, obwohl über Stunden der Nachrichtenwert gegen Null ging.

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In den Staaten gibt es dafür Panels, Diskussionsrunden, in denen alles mögliche besprochen wird. Zum Überbrücken der Zeit quasi.
Der Anchor der Sendung holt sich also einen Korrespondenten aus dem Weißen Haus, einen Virologen und einen Sicherheitsberater aus der vorhergehenden Administration und dann diskutieren die 4 gut 30 Minuten lang darüber was D.Trump gerade getwittert hat. Da vergeht dann die Zeit. Das Programm füllt sich.

Wohlgemerkt jedes kleine Fitzelchen wird dieserart durchgekaut. Es hat was Paranoides, ist aber gleichzeitig schräg interessant. Weil man schon auch was dabei lernt. Immerhin sitzen da ja Leute, die vom Fach sind und die meist mehr wissen, als der Zuseher.

D.Trump spielt diese Sendungskonzept ganz allgemein wunderbar in die Hände. Er regiert nicht nur das Land via Twitterfeed, nein durchaus auch die Medien. Er gibt vor worüber diskutiert wird. Er weiß das auch und nutzt es gekonnt. Taugen ihm die aktuellen Schlagzeilen nicht, dann macht er einfach selber welche. Es ist völlig egal mit welchem Blödsinn er daherkommt. Sie alle werden sich darauf stürzen und gemeinsam solange darüber reden und schreiben bis alle wieder vergessen haben, dass er nur 750$ Steuern gezahlt hat.

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Für die Sender bedeutet das aber eine skurrile Art von Zwickmühle: der Präsident ist nun mal der Präsident und nach ihrem eigenen Selbstverständnis ist somit jedes seiner Worte eine Offenbarung und per definitionem berichtenswert.

Die Medien sind ein Mühlenrad, dass der Präsident dreht wann und wie schnell er will. Die Mittel, die sie dagegenhalten können sind überschaubar, denn NICHT ZU BERICHTEN ist gegen ihre Natur.

Es ist ein irres Schauspiel. Und man fragt sich wie lange das ein Land aushält.