gelesen KW 44 – von wegen Durchschlafen

Hat euch auch schon mal jemand vorge“jammert“, dass er/sie nicht ordentlich durchschlafen kann? Ich kann ja immer schlafen. Also ehrlich. Mein Problem ist eindeutig das Aufstehen, nicht das Schlafen. Aber .. ich bin ehrlich, ich höre es oft, dass jemand „unrund“ geschlafen hat, dass jemand „unausgeschlafen“ ist. Und es ist mir nicht egal. Schlaf, ja Schlaf ist sauwichtig.

Photo by Hutomo Abrianto on Unsplash

Aber wie ich jetzt gelesen habe ist unser Zugang zu Schlaf .. naja .. ein wenig unnatürlich (so wie die Sache mit dem Frühstück .. echt .. das muss ich auch noch klären bei Gelegenheit). Egal, wir reden hier vom Schlafen. Vom Schlafen in der Nacht. Und zwar ab einem für uns angenehmen Zeitpunkt bis zum Morgen, wenn wir Arbeiten gehen müssen.

Erkennbar ist, dass das per se ja schon schräg ist. Hätte der gute Edison nicht die Glühbirne erfunden, dann würden wir wohl immer noch bald nach dem Dunkelwerden ins Bett gehen und Aufstehen, wenn uns die Sonne küsst. Grob gesprochen.

Aber auch da würden wir nicht durchschlafen.

Photo by Annie Spratt on Unsplash

Es ist ein paar Ö1 – Radiokollegs her, da hörte ich dass wir mehrmals in der Nacht – immer nach einer Traum- und Tiefschlafphasenabfolge – aufwachen.

Ja. Mehrmals in der Nacht wachen wir auf. Allerdings schlafen wir meist gleich wieder ein. So schnell, dass uns das Aufwachen gar nicht bewußt wird. Wir haben den Eindruck durchzuschlafen.

Überlegt man sich das kurz auf Höhlenmensch durch, macht es ja beschützungstechnisch hoch Sinn ab und dann leicht weckbar zu sein. Wegen der bösen, hungrigen Tiere. Noch besser natürlich wenn wir als Gruppe ein wenig versetzte fast-wach-Momente hätten. Dann wäre immer jemand … naja .. fast wach!

Womit wir bereits beim zweiten Punkt in Sachen Schlafen sind. Das in-Gruppe-Schlafen. Es gibt laut Wikipedia zwei kulturelle Arten von Schlaf.

Westlich und Traditionell

Photo by jarupon tapdam on Unsplash

Westlich, das kennt hier ja jeder, bedeutet: Schlafen in der Nacht, in Betten, tendenziell alleine. Ausnahme sind Ehepaare.

Traditionell bedeutet. Man schläft den größten Teil in der Nacht, aber – und das ist bedeutend anders – eben auch untertags. Wenn es notwendig ist, dann schläft man. Nachts schläft man eben nicht durch. Wacht man auf dann liest man, lernt man oder tut, was man in der Nacht eben einfach tun kann. In Japan ist es normal um nicht zu sagen angesehen, in der Schule einzuschlafen. Daraus schließt man nämlich, dass die Schülerin in der Nacht gelernt hat.

Man schläft auf der Arbeit eben mal ein halbes Stündchen, wenn es der Körper denn verlangt. Man legt sich auf eine Bank, man schläft im Zug.

Man schläft.

Dazu kommt, dass des nächtens nicht alleine geschlafen wird. Praktisch nirgendwo, außer bei uns im Westen, wird nicht alleine geschlafen. Familie, Freunde, Gäste … alle in einem Bett.

Photo by Mika on Unsplash

Und:

Es ist nicht so lange her, dass das bei uns auch so war.  Bis ins 19. Jahrhundert haben wir nämlich auch alle gemeinsam im Bett geschlafen. Erasmus von Rotterdam hat noch 1530 Tipps verfasst zum „idealen Bettgefährten“. Still liegen, nicht allzuviel herumwerfen und … nicht die Decke wegnehmen. 🙂

Samuel Pepys, ein englischer Staatssekretär, hat im 17. Jahrhundert in seinem Tagebuch ein Ranking seiner beliebtesten Bettgenossen niedergeschrieben. Kriterien waren neben dem „Liegeverhalten“, eben auch so Dinge wie: mit dem kann man gebildet Plaudern bis man einschläft. Hm, klingt doch vernünftig.

Photo by Stephen Oliver on Unsplash

Es liest sich als hätte die industrielle Revolution bei uns da so ziemlich alles ins Wanken gebracht was geht. Und das seither eben Schlafentzug und Schlafprobleme erst aufgekommen sind. Chronobiologen (das sind Leute die zeitliche Abläufe mit den Vorgängen im Körper in Verbindung bringen, erforschen und erklären) meinen man müsste eben aufhören die Menschen um die Arbeit zu wickeln. Besser wäre es andersrum.

Erkenntnis ist der halbe Weg zur Besserung.

Ihr braucht also nur den Strom abdrehen, oder kündigen

oder einen Polster mit ins Büro nehmen.

gelesen:

P.M. – Ruhe Bitte! (Bezahlartikel)

Wikipedia:

Schlafkultur

Chronobiologie