gelesen KW 7 – Der Spiegel

Heute geht es um etwas Gesellschaftliches um etwas Verlogenes, Gespieltes, etwas das nicht echt ist aber echt aussieht und das so ist, weil wir unser Verhalten geändert haben, weil wir das so hingebogen haben.

Photo by rawpixel on Unsplash

Als Beispiel dient Lady GaGa,

die um ihren Film „The Star is born“ zu promoten immer und immer wieder im exakt identen Wortlaut denselben Satz von sich gegeben hat. Jedesmal mit einer Intensität, die die Leute glauben ließ, dass sie gerade eben in genau diesem Moment aus der tiefe ihrer Emotionen heraus, diese tiefe Erkenntnis gebar. Sie hatte dabei sogar Wasser in den Augen. Es war ein wahrer Moment. So schien es.

Häufig.

Und dann kam das Internet und schnitt die zig male zusammen. Die zig male, die sie es wie zum ersten mal gesagt hatte und machte eine Collage daraus. Der eine Satz gesprochen jedes Wort aus einem anderen mal genommen. Anderes Outfit, andere Location … immer derselbe Satz. Jedes mal das erste mal. Intensiv.

Immer und immer wieder. (Unten habe ich euch die Stelle im Video rausgesucht, wenn ihr das sehen wollt. Irgendwie ist es ja ein Meisterwerk!)

Und wie es sich gehört, regte sich das Internet auf darüber.

Die Leute beklagten sich, ob dieser unfassbaren Oberflächligkeit. Sie fühlten sich vorgeführt. Sie beschimpften die GaGa, weil sie sich erdreistete, so zu tun als ob. Die Leute waren beleidigt. Das Internet kochte.

Photo by rawpixel on Unsplash

Und John Lovett hielt ihnen den Spiegel vor. In einer verteidigenden Schimpftirade drückte er den Leuten rein, was für schäbige, kleine Spießbürger sie doch waren.

Übersetzt und zum Nachdenken für euch:

Wir verlangen, dass diese Leute .. Politker, die Gaga’s der Welt und viele andere auch .. dass diese Leute Unmengen von Presseinterviews geben. Schlicht aus dem Grund, weil wir nämlich in unserer kleinen Blase leben wollen. Wir lesen keine Zeitungen mehr, wir lassen uns die Nachrichten auf einer App zusammenstellen. Ausgewählt nach den Likes, die wir verteilen. Algorythmen machen das. Nicht nur auf Facebook. Überall.

Früher hat ein Präsident ein Interview gegeben, einer renomierten Zeitung und das war’s. Heute muss jeder, der im Licht der Weltöffentlichkeit steht, alles tausendmal wiederholen. Nur damit er/sie möglichst viele Leute überhaupt erreicht. Damit er in jede kleine Blase, in jede kleine App auch reinkommt. Die FAZ reicht heute nicht mehr. Nein, man muss überall sein. In Talk-Shows, Events. In Chats. Selbst Sportler stöhnen unter der Belastung. (In Österreich gerade ein Thema – Anmerkung)

Und dann kommen wir daher und wollen AUTHENTIZITÄT! Wie sieht Authentizität heute aus? Wie muß sie aussehen? Es bedeutet, dass man ein richtig, richtig guter Schauspieler sein muss, sodass man imstande ist 100mal wie beim ersten mal zu wirken. Man muss richtig, richtig gut sein darin so zu tun als ob.

Das ist es was wir verlangen. Wir die Content-Konsumenten, die alles in ihrer kleinen Blase verzehrfertig serviert haben wollen. In den für uns perfekten Häppchen.

Und wenn es uns dann vor Augen geführt wird, was wir sie machen lassen, Welch skurrile Kunststücke sie aufführen müssen, nur damit wir uns herablassen am Ende tatsächlich eine Kinokarte zu kaufen, dann sind wir beleidigt.

„Wie kann die Gaga es wagen diesen Soundbite (Begriff für einen Satz, einen Fetzen Info), den sie doch so nur gesagt hat für mich. Für mich, damit ich mich angesprochen fühle. Wie kann sie es wagen mich so an der Nase herumzuführen.“, rülpsen wir in die Welt hinaus.

Und wisst ihr wer verdammt gut ist genau darin. Wer verdammt gut ist darin so zu tun, als würde es ihm etwas bedeuten? Donald Trump. Er ist verdammt gut darin Dinge tausendmal zu wiederholen. Es ist ihm gegeben völlig erbarmungslos den Leuten das zu liefern, was sie hören wollen. Und sie fressen ihm aus der Hand. Er kann das.

Und?

Wollt ihr das?

Also

Laßt Lady GaGa in Ruhe!

— Ende Übersetzungs-Interpretation

Wo bezieht ihr eure Nachrichten?

Denkt mal drüber nach, da steckt viel drin.