Vom Trauern

Ich bin ja ein Fan davon Dinge anzusprechen, die nicht so einfach angesprochen werden. Ihr wisst das ja. Da ich zur Zeit so ein Thema durchlebe, wobei .. naja so ganz stimmt das mit diesem Thema nicht, aber .. naja dann halt doch ein bissi. Wurscht. Ich schreibe hier vom Tod. In meinem Fall vom Tod eines Elternteils.

Nun lasse ich euch kurz wissen, dass ich zu den Menschen gehören darf, die wunderbare Eltern haben durften. Ich schreibe das hier extra nieder, weil meine Erfahrung zeigt, dass der größere Teil der Menschen, die ich in meinem Leben kennengelernt habe, mit mindestens einem Elternteil und gerne auch mal mit beiden ein „Thema“ hat, das ohne weiteres ein bis zwei Jahre therapeutische Aufarbeitung rechtfertigen würden.

Das können wir gerne auch mal abarbeiten. Diese Macht, die Eltern über ihren Nachwuchs haben. Und auch die Tatsache, wie viele es seriös verbocken und dann kaputte Menschen hinterlassen. Heute sei nur soviel gesagt: ich trage keine Eltern-Wunden im Alltag herum. 

Insofern trauere ich jetzt grundsolide aus purer Liebe heraus. Trauer ist – in diesem Fall – eine Form wie sich Liebe ausdrückt und meine Trauer ist demnach nicht von irgendwelchen Schmerzen zusätzlich getrübt. Meine Trauer, wenn ihr es so sagen wollt, ist glasklar. Traurige Liebe.

Tut weh, ist aber auch schön. Irgendwie.

Ich habe noch nicht oft in meinem Leben getrauert. Ich habe bereits getrauert um einen Menschen, aber das war schwieriger. Ihr erinnert euch womöglich, dass ich ein Baby verloren habe. Noch im ersten Trimester, aber es hat gereicht mich solide aus der Bahn zu katapultieren. Zudem war es erstaunlich metaphysisch um jemandem zu trauern, der nie unter uns geweilt hat. Ich war sehr alleine damit.

Das ist diesmal klarer/einfacher. Elternteil stirbt, ist ja quasi ein Stereotyp. Alle um mich herum behandeln mich mit Samthandschuhen und ich gebe zu, dass ich das wirklich gut finde. Ich finde es nicht nur gut, es tut mir auch gut.

Ich sag’s mal ganz salopp: als Frau und Mutter, als jemand ohne Job, wird mir nur selten Respekt gezollt, selten auf mich Rücksicht genommen. Und das, wo ich auch in meiner Mutterphase Überirdisches (ich bin da ganz unbescheiden) geleistet habe.

Aber, dass mein Papa gestorben ist, das zählt. Die Menschen werden ruhiger um mich, sie werden weich, nehmen Rücksicht.

Der Tod flößt ausreichend Respekt ein.
Sie achten mehr darauf, was sie sagen, wie sie es sagen und das tut mir gut.

Denn, ich habe bemerkt, dass in den ersten Wochen meine Haut mehr als dünn ist. Ich bin fragil. Ein falscher Ton und es geht durch mich hindurch wie ein warmes Messer durch Butter. Keine Chance. Schmerz. Sofort.

Ich meine, es ist wohl so, dass es in mir arbeitet/trauert. Die ganze Zeit. Und da wird offensichtlich enorm Energie abgezogen dabei.
Mein Papa war nicht irgendwer, er war MEIN Papa. Er war einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben. Zu glauben, ich könnte das mit ein paar mal weinen abgearbeitet haben, wäre absurd. Es arbeitet in mir. Immerzu.
Und zwar so sehr, dass oben an der Susanne-Oberfläche deutlich weniger der Energie, die mir so pro Tag zur Verfügung steht, ankommt, als sonst üblich.

Anmerkung: viel ist das perimenopausal eh nicht. *hüstel

Ich habe das akzeptiert. Wir haben ja alle schon gelernt, dass Widerstand in diesen Dingen völlig unnötig ist. Die Rechnung wird gestellt. Und am Besten man arbeitet sie ab. Schritt für Schritt. In Liebe und Tränen. Dann wird es irgendwann erträglich und das „letzte bisschen“ geht dann in das neue Leben mit über. Es gehört dann dazu.

Womit ich nicht gerechnet hatte, waren allerdings meine Kinder. Sie scheinen auf mich aufzupassen. Ich schreibe „scheinen“ aus dem Grund, dass ich es in meiner Mutterrolle noch nicht oft erlebt habe, dass dieses wer-auf-wen aufpasst umgekehrt wurde.
Fühlt sich wunderbar an. Unfassbar wunderbar.
Aber halt auch ein bissi: Hä?? Was macht ihr da?

Ich beschwere mich nicht. Ich versuche trotz allem zu genießen, zu leben. Ich seufze. Und ich schreibe es nieder hier für euch, weil das so etwas ist, da wird nur selten drüber gesprochen.

Ihr seht, es geht mir eigentlich gut. Ihr könnt vermutlich erkennen, dass ich traurig bin, aber ich hoffe ihr seht auch, dass ich die Sonnenstrahlen auf meiner Haut genieße und die Nähe mit den Menschen um mich herum.

Ja genau.
Die Nähe ist bemerkenswert. Da sollten wir auch mal drüber reden.

0
0