Was das Kino mit meinen Hormonen zu tun hat/haben könnte!

Neulich habe ich mich erwischt wie ich in eine Folge „Pfusch am Bau“ gekippt bin. Das ist für mich so etwas nahe am Verrat. Ich bin die meiste Zeit 80% Snob. Ich bestehe auf einem gewissen Niveau. Oder zumindest rede ich mir das immer wieder ein. „Pfusch am Bau“ ist diesbezüglich eine glasklare Grenzüberschreitung. Ein fixes No Go.

Gut, ich habe schon Bridgerton gebingt und auch die eine oder andere schwachsinnige Serie zumindest mal angefangen, reingeschnuppert. Will sagen, ich bin nicht geimpft gegen Schwachsinn. Manchmal braucht man Schwachsinniges um das Hirn durchzupusten und aufgestaute, belastende Emotionen per Schwachsinn die Klospülung runterzuspülen. Das funktioniert wunderbar. Ich gehe davon aus, dass ihr das kennt. Das ist der schwachsinnigen TV-Formate Bestimmung in meinem Leben.

Ich habe ja an sich auch immer gerne Blockbuster geschaut, die vorgekaut aus Hollywood über das große Wasser rüberschwappten. Das ist ja auch nicht immer tiefsinnig und intelektuell fordernd. Da kann man aber immerhin noch sagen, dass das Qualitäts-Schwachsinn ist. Also meistens. Irgendein Teil ist eigentlich immer ganz akzeptabel. Entweder spielen die Schauspielerinnen wunderbar, auch wenn das Drehbuch lausig ist. Oder die Ausstattung und das Szenebild ist atemberaubend. Oder die Musik. Oder halt irgendwas.
Scheiß mit Mascherl quasi.
Dann geht’s ja. Dann tut’s nicht so weh.

Das gilt aber auch nur solange das Östrogen noch mitspielt. Denn seit einiger Zeit habe ich die Nase mehr als voll von den immergleichen Geschichten. Von den ach so heldenhaften Männern, die alleine die ganze Welt retten, oder ihre Kinder rächen, oder ihre Frau, oder den Hund. Immer gewalttätig.
Oida!
Wir haben die Story echt sowas von durch.

Und die platteste Masche von allen, ist dann der Versuch das weibliche Publikum zu erreichen in dem man(n), die Hauptrolle, die sich durch und durch männlich verhält, von einer Frau spielen lässt (nennt sich „men plus boobs“. Ja, es gibt einen Namen dafür).
Dann rettet die Frau die Welt und rächt sich für irgendwas. Der „weibliche“ touch besteht dann darin, dass es eben ihre Kinder sind, die sie rettet oder irgendwie befreien muss/will/wird. Dabei fliegt wie beim männlichen Pendant die halbe Welt in die Luft und alles was bei drei nicht auf den Bäumen ist, wird niedergemäht (sprich erschossen).
Ur weiblich.

Ich hab’s alles gesehen. Es hat mich unterhalten und ich bin sogar so freundlich zu sagen, dass in bestimmten Stimmungen der Eine oder Andere dieser Filme sehr wohl noch immer Unterhaltung sein kann. Aber irgendwie kommt da nix anderes daher. Es ist immer eine Variation von derselben (Männer) Geschichte. Die paar Filme, die groß genug sind um mithalten zu können im Aufmerksamkeitsspektrum und die eben definitiv weiblicher sind, die kann man gerne erwähnen, aber … mal ehrlich .. das große Geld wird immer und immer wieder in denselben Scheiß gesteckt.
Und ich komme zu dem Schluss
Die Welt im Kino ist unfassbar männlich und zwar männlich dumm, männlich gewalttätig. Da schau ich ja lieber die „Nanny“ oder „Gilmore Girls“. Das ist lustig und in Phasen tatsächlich näher an der Realität.
Oder, wenn wir schon dabei sind: „Barbie“.

Worauf ich hinaus will:
Nun, zum einen stelle ich fest, dass das Perimenopausale auch vor meinem heißgeliebten Kinosessel nicht Halt macht. Mein Blick auf Filme, mein Anspruch an das Drehbuch (bitte ich bin Team Drehbuch. Ich kenne Team Kamera-Fans und auch Team Musik… nur so am Rande) hat sich gelüftet. Ist jetzt klar.
Ich mochte Filme, die sich der weiblichen Seite nähern, ohne dabei gleich Vergewaltigung, Drama und Missbrauch als einzig wertes Thema zu betrachten, immer schon.
Ich mag es, wenn die Heldinnen oder Bösinnen, weibliche Heldinnen und weibliche Bösinnen sind. Und damit meine ich nicht nur die Brüste. Ich meine, wenn sie sich wie Frauen verhalten. Wenn die Witze weibliche Witze sind. Ihre Bösitäten, ihre Problemlösungen nicht standardmännlich. Unfassbar. Wie kann man.

Jetzt wo mich das Östrogen verlässt, ist es eher so, dass das eben mein Minimum ist. Alles, was diese Ansprüche nicht erfüllt, muss zumindest an irgendeiner anderen Stelle superduper liefern, oder ich rümpfe mein menopausales Naserl und lasse in jedweder Diskussion kein gutes Haar an dem Werk.

Und bitteschön: an „Pfusch am Bau“ kann ich halt nicht viele gute Haare lassen. Ich schäme mich ein bissi, dass mir das passiert ist. Es könnte sich um einen emotionale Klospülungs-Moment gehandelt haben, aber allzuviel will ich dazu gar nicht sagen.
Da schaue ich lieber Curling!

Und bevor mich wer fragt: Filme, die ich zur Zeit geradlinig empfehlen kann:
Lady Bird
Bernadette
und vermutlich auch Maleficent