Nun ist es ja manchmal so, dass die Tage eigenartig sind. Also bei mir. Für mich. Das kann jemandem anderen – speziell einer Frau in meinem Alter – bekannt vorkommen. Muss aber nicht. Wir sind ja verschieden.
Bei mir ist das allerdings so geschehen letzte Woche. Schon als ich aufgestanden bin, war das Lethargische kaum zu übersehen. Die Antriebslosigkeit war frappant. Es gelang mir aber mich einigermaßen positiv in den Tag schauen zu lassen. Das Wetter war schön. Sonnig aber noch nicht heiß. Das Frühstück würde mir guttun.
So hievte ich mich über die ersten zwei Stunden dieses Tages. Die Dinge, die im Haushalt zu erledigen waren, waren jetzt auch nicht dazu geeignet meine Stimmung aufzuhellen. Das gilt ja für den gesamten Haushalt, merke ich dazu mal eben an. Nur so.
Trotz der mangelnden Haushaltsbegeisterung, absolvierte ich die anstehenden Basics mit Bravour. Ich bin da gut.
Und dann war da die Betropfungsanlage im Garten, die auf ihren Aufbau wartete bzw. warteten ja eigentlich die Pflanzen, die eben in den letzten Wochen unter recht sporadischer Begießung gelitten hatten.
Ich überredete mich also dazu Gartenarbeit für für die Seele gesund zu erachten und weiters noch, dass das Projekt ja nur 8 Töpfe umfing und somit ja von überschaubarer Größe war.
Dann jedoch erlag ich dem Irrglauben, dass für die vollständige Umsetzung alles vorhanden wäre. Ein folgenschwerer Fehler, wie sich herausstellen würde, denn ich hatte nich lange am Anschluß-Kunststück Nummer eins herumgefummelt, da war auch schon ersichtlich, dass ein empfindlich wichtiges Teil fehlte.
Daraufhin setzte ich mich zunächts einmal aufs Sofa um ausgiebig meine unglückliche Situation durchzudenken und mir die zustehende Portion Selbstmitleid zu verfüttern. Überraschenderweise ging es mir danach weder besser noch hatte sich die Lage verändert, was mich zu der Erkenntnis zwang, dass ich wohl zu handeln hatte. Großer Seufzer!
Der Weg in den nächstgelegenen Baumarkt stand somit an. Für ein mickriges, kleines Teil. Da kommt Freude auf. Dazu noch im zerknüllten heute-begegne-ich-besser-Niemandem-Look. Immer ein Highlight. Mich dafür in Schale zu werfen, stand außer Frage. Was zuviel ist, ist zuviel.
Um nicht gesehen zu werden, steckte ich mir meine Airpods in die Ohren. Wie so ein Kleinkind, mit dem man Kuckuck hinterm Sofa spielen kann, gibt es Tage, da falle ich ein paar Evolutionsstufen zurück. Zumindest teiweise.Und genau das nutze ich dann gerne um mich auszutricksen.
Also bin ich mit Airpods und Knuddellook in die Bim gestiegen. Auf geht’s! Wir holen das fiese, kleine Scheißerchen und retten die 8 Topfpflanzen! Motivation! Leute! Yeah!
Damit ich im Baumarkt nicht mit einem Stück von der Größe einer Walnuss an der Kassa stehe, habe ich spontan noch zwei wunderbare und bunte Pflanzen mitgenommen. Wieso auch nicht? Tut der Seele gut.
Nach der Bezahlung, nahmen dann allerdings jene Dinge ihren Lauf, die man eben nicht so vorherzusehen vermag.

Als ich am Zebrastreifen stehend auf Grün warte, zwitschert es plötzlich neben mir. „Ungewöhnlicher Klingelton!“, dachte ich mir noch. Sonst nix.
Es wurde Grün und ich ging los. Neben mir ging ein Mann, der zunächst wohl ein wenig hinter mir gestanden haben muss. Er überholte mich. Das Bemerkenswerte an ihm war eindeutig der Sittich, der gemütlich auf seine Kopf saß.
Ich war verblüfft.
Der Vogel zwitscherte.
Wir gingen alle entspannt über die Straße. Wir, das sind der Mann mit dem Vogel, weitere 3 Passanten und ich. Alle haben völlig normal reagiert. Als würde man ständig Männern mit Vogel begegnen! (!!)
Nach ein paar Sekunden zückte ich dann aber doch mein Handy. Im digitalen Fotoapparat-immer-dabei-Zeitalter gehört sowas ja abgelichtet. Dazu muss man nicht 15 Jahre lang bloggen. Das weiß Jeder.
Ich schoss also eine Aufnahme von den beiden Zwitscheranten (Einmal zwitscherte der Vogel, einmal der Mann.) und setzte mich dann in die Bimstation um seelig verwirrt auf die Bim zu warten. Ich nahm meine Box mit den Airpods raus und wollte sie mir gerade einstöpseln, da nahm mich die nächste Zeitgeistgeste in ihren zwanghaften Besitz: Ich muss das sofort der Familie senden. Unbedingt. Jetzt. Und zwar jedem einzeln.
Ich war daraufhin logischerweise mal für ein Weilchen beschäftigt und als dann kurz vor Vervollständigung der vierten Nachricht die Bim einfuhr, bin ich freudig aufgesprungen und stieg überraschend gut gelaunt in diesselbe ein.
Ich habe das fehlende Dingilein, zwei nette Pflanzen und ein Foto von einem Mann mit Vogel. Vielleicht ist der Tag doch noch brauchbar?
Bis ich drei Stationen später bemerkte, dass meine Airpods nicht in der Tasche waren.
Jetzt bin ich ja nicht so anhänglich, wenn es um Zeugs geht, das man zum Leben nicht unbedingt braucht. In diesem Fall, war mir das Zeugs zum einfach Abschreiben dann aber doch ein Stücki zu teuer.
Nachdem ich die notwendigen Phasen von Panik, Erschütterung, Ärger und Erkenntnis im Rekordtempo einer Bimstationslänge durchexerziert hatte, bin ich kurzerhand komplett adrenalingetrieben aus der Bim gesprungen, auf die andere Seite der Station gelaufen (dazu musste ich eine Flut Treppen rauf und auf der anderen Seite wieder runter) um dort die gerade einfahrende Bim in die andere Richtung zu erwischen.

Ihr dürft euch ruhig mit einer gewissen Freude an der Situation vorstellen, wie ich da hechelnd, spontan schwitzend, gestresst und immer noch im Coach-Potato-Look von vorher in der Bim sitze und die Sekunden zähle, bis ich wieder bei der Mann mit Vogel Station angelangt bin.
Ich spanne euch jetzt nicht auf die Folter: Ich habe sie tatsächlich wiedergefunden. Meiner AirpodBox. Und das, obwohl da Menschen saßen und standen, wo eben vorher ich saß und Nachrichten an die Family getippt hatte.
Meine Erleichterung war solide. Der vernünftige Teil in mir konnte sich nicht ganz zurückhalten und musste kurz leicht pickiert den Kopf schütteln. Weitere innere Selbstkritik habe ich aber gleich per Airpod und einer guten Portion „Zombie“ von den Cranberries überdröhnt.
Dann bin ich nach Hause gefahren, habe mir eine Schoki in die Figur geworfen und die beschissen Betröpfelung fertiggestellt!
Von dieser Sorte Tag rede ich.
