Wienzeile Fassaden: Monatsspaziergang

Wenn man, so wie alle Wiener, in einem Museum wohnt, dann merkt man es nach kurzer Zeit nicht mehr.

So oder so ähnlich könnten ein Satz lauten, den man den Wienerinnen vors Hirn klatschen könnte. Wenn man nämlich mal die „jo, eh olles leiwand“ – Brille abnimmt, und versucht die eigene Stadt nicht nur wahrzunehmen, sondern auch zu sehen, dann .. ja dann.

So geschehen neulich, als wir auf einen Sprung in – eigentlich auf – die neue Markthalle am Naschmarkt spazieren wollten. Naschmarkt heißt ja für die Meisten „Markt“. Und dann wühlen sie sich durchs Gemüse und lassen sich von den verhältnismäßig aufdringlichen Markttypen Oliven zum Verkosten andrehen.

Was „Naschmarkt“ aber auch heißt, ist „Wienzeile“.
So, jetzt ist mir klar, dass Wienzeile nicht wie ein Straßennamen klingt, ist es aber. Der Wienfluß ist nämlich einer, der vom Wienerwald hinein die Stadt fließt und in den Donaukanal und damit in die Donau mündet. Und das am Schwedenplatz. Also ausnehmend zentral.
Wobei Fluß ja in 90% der Zeit eine maßlose Übertreibung ist. Die Wien ist rein Rinnsal. Elendig. Und bis vor nicht allzulanger Zeit haben sich alle Wiener gefragt, warum sie in so einem Giganto-Beton-Becken dahintröpfeln muss. Schaut ja total daneben aus. Hoffnungslos überdimensioniert für das bissl Wasser.

Und dann kam der September 2024 und es regnete den Wienerwald voll, was dazu führte, dass das Wienrinnsal zum reißenden Fluss wurde, das gerade mal noch in das Giganto-Beton-Becken passte.
Alle Wiener hatten ein gepflegtes Aha-Erlebnis. Ich auch.

Was ich aber eigentlich sagen will: die Wienzeile sind jene Straßen, die rechts und links des Wienflusses entlang von der Innenstadt bis ziemlich weit hinaus führen.
Und weil seinerzeit, als der Ring gebaut und die Stadt auf volle Funktionalität getrimmt wurde (Hochquellwasserleitung, Stadtbahn etc.), eben auch die Wienzeile solide aufgehübscht und mit Wohnbauten, die halt auch optisch was hermachen ausgestattet wurde, kann man heute, wenn man den Blick mal vom Naschmarkt hebt, ein paar grundsolide Wiener Prachtfassaden genießen.

Genau das habe ich also gemacht. Wir haben die Besteigung der Markthalle zurückgesetzt und gingen zuerst einmal hinunter zu dem neu angelegten Park – dem Naschpark, wobei man eben folgende Fassadenlandschaft zu sehen bekommt:

Mittlerweile bin ich den Weg noch einmal anspaziert und ohlala! Ich muss mal die Eingangstüren ablichten. Sehenswert!

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