gelesen KW 8 – Brexit

Nicht mehr lang, dann ist es Geschichte. Großbritannien in der EU. Wirklich auskennen mit dem Brexit tun sich wohl nur wenige. Und die Folgen? Was wird alles passieren, wenn es hart auf hart kommt? Naja, Friede, Freude, Eierkuchen wird es nicht. Aber an einem Flecken wird es besonders bitter. An der Grenze zwischen Irland und Nordirland.

Tritt Großbritannien ohne eine Regelung aus der EU aus, dann wird zwischen Irland und Nordirland eine harte Grenze entstehen. Das ist jedem klar. Das hören wir andauernd in den Nachrichten. Es müßten Grenzkontrollen eingeführt werden, Stützpunkte aufgebaut. Außengrenze halt.

Aber die Grenze zwischen Nordirland und Irland ist nicht irgendeine Grenze. Diese Grenze ist eine Wunde, die gerade erst aufgehört hat zu bluten. Nix Narbe. Nein, soweit ist man dort noch nicht. Es ist gerade mal einigermaßen ruhig seit einer Weile. Narbenbildung würde ja heißen, es heilt ab. Nein, geheilt ist dort noch nicht viel. Dort ist es erst kurz nachdem du den blutigen Tupfer von der Wunde hebst.

Diese Grenze ist gefährlich. Die braucht noch 100 Jahre Beruhigung, bevor du da irgendeine Form von Belastung drauf legen kannst.

Diese Grenze war, soweit ich mich erinnern kann, jedoch kein Thema in den populistischen Reizkampagnen vor der Brexit Abstimmung. Und doch ist sie jetzt das Thema an dem sich alle aufhängen.

Egal wie gut oder wie schlecht man jetzt den Backstop finden mag. Egal wie verwirrt man das britische Parlament findet oder eben auch nicht. Eines wird klar, wenn man sich die Entwicklungen rund um den Brexit anschaut.

Die Bevölkerung zu befragen ist gar nicht einmal immer so eine super Idee.

Warum?

Na, weil Otto-Normalverbraucher andere Sorgen hat, als so ein hochkomplexes Thema wie den Brexit aufzuarbeiten. Zu einem Zeitpunkt an dem nicht einmal Experten wirtschaftlich oder juristisch hätten sagen könne, was so ein Austritt aus der EU alles mit sich bringt.

Nur weil James Cameron den Druck seiner Unpopularität nicht mehr ertragen hat, sah er sich genötigt die Abstimmungskarte zu spielen. Er, der gewählt wurde, damit genau solche Entscheidungen nicht von Bürger getroffen werden müssen, hat sich vor seiner Verantwortung gedrückt und die Aufgabe den Leuten aufgehalst.

Bloß hat er ihnen nicht die Information gegeben, die sie normalerweise hätten, würden sie seinen Job machen.

Also tonnenweise Berichte mit wirtschaftlichen Prognosen.

Berichte über Auswirkungen auf das Sozialsystem.

Berichte über GottunddieWelt.

Politisch.

Wirtschaftlich.

Rechtlich.

Viel viel Papier mit ausnehmend langweiligen Inhalten, die zusammen ein Bild, vermutlich sogar mehrere Bilder malen würden, von was denn ein Brexit bedeuten könnte.

Nein, derlei Info hatten die Leute nicht. In einem Stapel Info zum Thema Brexit wäre nämlich die irische Grenze vorgekommen. 100 PROZENT. Cameron hat die Leute aber sich selber überlassen. (Und den Populisten)

Das Werkzeug Abstimmung hat nämlich wenig Sinn, wenn ich  – kurzes Vergleichsbeispiel – zur Auswahl meines neuen Outfits, das ich mir für ein Vorstellungsgespräch nähen möchte, eine Umfrage unter Gabestaplerfahrern durchführe.

Da kommt nix Gescheites raus dabei.

Das ist Vorhersehbar.

Und wisst ihr was? Die Leute wussten das! Sie haben gewußt, dass sie eine derartige Entscheidung nicht klug treffen können.

John Oliver hat in seinem 3. Stück zum Brexit etwas herausgepickt, dass britischer mir nicht möglich scheint.

Es nennt sich Gogglebox und ist eine Sendung, in der man anderen Leuten – festhalten – beim Fernschauen zuschaut.

Erschütterter Schweigemoment.

Und wenn man sich Gogglebox – Beiträge aus der Zeit der Abstimmung anschaut, dann, so zeigt John Oliver, sieht man Leute auf ihrem Sofa zu Hause beim Nachrichten schauen und hört wie sie bezweifeln, dass irgendwer imstande ist, eine derartige Entscheidung zu treffen.

Na super!

Es ist das immergleiche Motto

„Wer nicht’s weiß, muß alles glauben!“

Der John Oliver Beitrag ist sehr informativ.

Ihr könnte auch über den Bloody Sunday (Spiegel – Artikel) nachlesen.

Oder googelt euch einfach selber durch …