Mein ELLENBOGENDAUMEN

Es gibt ja in verschiedenen Sprachen Worte für Zustände, die wir alle kennen: Ich persönlich brauche ein Wort für das Gefühl, das man hat, wenn man eine, häufig kleine, Verletzung hat und plötzlich bei jeder alltäglichen Bewegung genau den Körperteil benötigt, der eben dieses kleine Aua hat. Und jedesmal spürt man es dann. Warum gibt’s da kein Wort dafür?

Ihr kennt das doch sicher: Da schneidet man sich in den Daumen und zack! Plötzlich braucht man für jede nur erdenkliche noch so kleine, aber im Alltag wichtige Bewegung den Daumen.

Dasselbe gilt, das darf ich gerade feststellen, für den Ellenbogen. Nun, ich gehe ja innerlich davon aus, dass es an sich für den gesamten Körper gilt, aber .. naja im Moment ist es der Ellenbogen.

Ich habe mir meinen linken (Beachte? .. nicht mal rechts) Ellenbogen irgendwie verknackst. Nichts allzu Grobes, aber eben auch nicht nur ein 10 Minuten Aua. Ihr kennt den Unterschied. Und seither darf ich wieder mal den Kurs besuchen der so schön den Titel trägt: „Wofür du alles deinen linken Ellenbogen brauchst!“

Vorab merke ich an, dass einen Ellenbogen ruhig zu stellen, ein ziemlich unmöglich Ding ist. Also mal abgesehen von einem Gips und den will ich nun wirklich nicht.
Das fängt beim Wäsche aufhängen an und hört beim Jacke anziehen auf.
Eigenartige Einblicke in mein Körperleben habe ich durch diese Ellenbogen-Geschichte, die ich so nicht habe kommen sehen.
Da ist zum Einen die Sache mit dem Schlaf. Ich schlafe, so durfte ich feststellen, gerne mal mit angewinkelten Armen. Und das geht zur Zeit eben nicht so gut. Im Schlaf mach ich’s dann aber doch, weshalb es dann weh tut, wodurch ich ein bissi aufwache, den Arm strecke und sofort wieder wegdöse. Und das dann mehrfach in einer Nacht.
Eine äußerst merkwürdige und extrem entbehrliche Erfahrung.
Und ja, ich habe des nachts so eine feste Bandage probiert. Mit dem Effekt, dass ich mir das Blut abgesperrt habe, weil ich den Arm natürlich trotzdem abgewinkelt habe …

Die zweite nervige Sache, die mir ellenbogentechnisch aufgefallen ist, ist das Telefonieren. Ich halte nämlich das Telefon für gewöhnlich links und natürlich winkle ich dabei meinen Arm ab. Was nach etwa 5 Minuten Geplausche zu Warnsignalen in meinem Gehirn führt. Woraufhin ich das Ohr wechsle .. also die Seite .. nicht das Ohr per se … Deutsch ist schon eine eigenartige Sprache manchmal .. aber naja. Ich wechsle also auf die rechte Seite, was mein Telefonerlebnis komplett verändert. Zum Einen bilde ich mir ein, dass es rechts leiser ist, was nachweisbar nicht stimmt. Ich war vor kurzem bei einem Hörtest und ich höre super. Rechts wie links.
Meiner Vorstellungskraft tut das aber keinen Abbruch. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es rechts leiser ist. Die Psyche ist allmächtig.
Weiters kann ich das Handy rechts einfach nicht so ans Ohr halten, dass es passt. Es fühlt sich an als fände meine rechte Hand das Ohr einfach nicht. Irgendwas läuft da solide falsch.
So als wäre das Handy, das ja an sich brettleben ist, links ergonomisch an mein Ohr angepasst und würde somit an mein spiegelbildlich anders gebautes Ohr der rechten Seite nicht passen. Auf jeden Fall ist jede Minute telefonieren auf dem rechten Ohr eine Qual. Körperlich und akustisch. Zudem kann ich dann nichts Anderes mehr tun, weil ich ja eine Rechsthänderin bin und die Hand ja mit der Suche nach meinem Ohr beschäftigt ist.
Also telefoniere ich nur solange rechts bis mein linker Ellenbogen nicht mehr schmerzt. Dann klemme ich mir das Fon einfach in die linke Schulter, so auf Schiefkopftelefonieren. Woraufhin dann meine Schulter anfängt zu schmerzen.

Und was alles schief läuft, wenn mal die Schulter schmerzt, davon will ich gar nicht erst anfangen.